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De Gooyer in Amsterdam: Die höchste Holzwindmühle der Niederlande im Porträt

An der Funenkade im Osten Amsterdams erhebt sich ein achteckiger Holzturm weit über die Dächer, die vier Flügel als stilles Kreuz vor dem Himmel. Das ist De Gooyer, die höchste Holzwindmühle der Niederlande – eine Kornmühle, die mehr als einmal quer durch die Stadt versetzt wurde, ihren Wind an eine Kaserne verlor, das Zeitalter der Dampfmaschine überstand und sich ihren Kai heute mit einer der beliebtesten Craft-Brauereien Amsterdams teilt. Kaum ein Bauwerk erzählt so anschaulich vom rastlosen Wachstum der niederländischen Hauptstadt, und kaum eines belohnt den zweiten Blick so reich.

Eine Mühle, die nicht stillstehen wollte

Eine Kornmühle mit dem Namen De Gooyer mahlt schon seit dem sechzehnten Jahrhundert Getreide für die Bäcker Amsterdams. Der Name geht der Überlieferung nach auf einen Müller oder eine Familie aus dem Gooi zurück, jener waldreichen Landschaft südöstlich der Stadt – wobei sich der genaue Ursprung, wie bei so vielen alten Mühlennamen, längst ins Anekdotische verflüchtigt hat. Von Anfang an war die Geschichte dieser Mühle eine Geschichte des Umziehens. Wind ist der Rohstoff jeder Windmühle, und in einer boomenden Hafenstadt drohte jeder neue Kirchturm, jedes Lagerhaus und jeder Wall, ihn ihr zu stehlen. Wurden die umliegenden Gebäude zu hoch, nahm man die Mühle kurzerhand auseinander, trug sie fort und baute sie dort wieder auf, wo die Brise noch frei wehte – eine herrlich pragmatische niederländische Antwort auf ein städtisches Problem. Der hölzerne Rumpf, der heute steht, wird gemeinhin auf das Jahr 1725 datiert; das Bauwerk selbst ist damit drei Jahrhunderte alt, die Mühle als Institution noch deutlich älter. Alle ihre Standorte lagen am östlichen Rand der alten Stadt, nahe den Bollwerken und Werften, wo es noch offenes Gelände und damit offenen Wind gab.

Anatomie eines achteckigen Riesen

De Gooyer gehört zum klassischen niederländischen Typ der Achtkantmühle: ein achtseitiger Turm in Holzbauweise, der sich nach oben sanft verjüngt und eine drehbare Kappe trägt. Nur diese Kappe bewegt sich; dreht der Wind, kurbelt der Müller sie herum, bis die Flügel wieder voll in der Strömung stehen. Weil die Mühle mitten in der Stadt steht, wurde sie als Galerieholländer gebaut, mit einem hölzernen Umgang – der Stelling – hoch über dem Straßenniveau rings um den Rumpf. Von diesem Balkon aus konnte der Müller die Segel setzen, die Bremse bedienen und sicher über den Dächern arbeiten, die den Wind sonst vollends erstickt hätten. Der Turm ruht auf einem hohen gemauerten Fuß, und dieser steinerne Sockel ist eine Geschichte für sich: Er diente ursprünglich einer Wasserschöpfmühle und erhielt erst später das hölzerne Achtkant, das ihn heute krönt. Zusammengenommen machen Sockel, Rumpf und Kappe De Gooyer zur höchsten Holzwindmühle der Niederlande. Höhere Mühlen gibt es durchaus – etliche gemauerte Turmmühlen anderswo im Land ragen weiter hinauf –, doch unter den Mühlen mit hölzernem Rumpf bleibt der Amsterdamer Riese unerreicht, und seine Silhouette beherrscht das Viertel bis heute.

1814: Als die Kaserne den Wind stahl

Der letzte Umzug fiel in die napoleonische Zeit. Am Ostrand Amsterdams entstand Anfang des neunzehnten Jahrhunderts ein gewaltiger Militärkomplex, die Oranje-Nassau-Kaserne – ein Bau, so lang und so hoch, dass er der nahestehenden Mühle buchstäblich den Wind abschnitt. Für eine Kornmühle war das ein Todesurteil auf Raten: Flügel, die keinen Wind fangen, mahlen kein Mehl und verdienen kein Brot. Und so zog De Gooyer im Jahr 1814 ein letztes Mal um. Der hölzerne Rumpf wurde auf den soliden Steinfuß gesetzt, der an der Funenkade wartete, dort, wo der Kai auf das Wasser der Nieuwe Vaart trifft. Da steht die Mühle seither, inzwischen seit über zwei Jahrhunderten. Die Episode sagt viel über den praktischen Geist der Epoche: Statt eine funktionierende Mühle abzureißen, zerlegten die Amsterdamer sie, trugen sie ein Stück weiter und ließen sie erneut mahlen. Sie erklärt zugleich das leicht hybride Erscheinungsbild – ein gemauerter Sockel des einen Ursprungs, darauf ein Holzturm des anderen, aus purer Notwendigkeit zu einem überzeugenden Ganzen gefügt.

Vom Mehl zum Denkmal: Niedergang und die Rettung von 1925

Das ganze neunzehnte Jahrhundert hindurch mahlte die Mühle weiter Getreide, doch die Zeit lief gegen sie. Dampfmaschinen und später Elektromotoren konnten Tag und Nacht Mehl produzieren, bei jedem Wetter, und so verstummten die Windmühlen Amsterdams eine nach der anderen und verschwanden. Von den vielen Dutzenden, die einst die Stadt umringten, sind heute nur noch eine Handvoll übrig. De Gooyer wäre beinahe eine der Verlorenen geworden: Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war sie schwer verfallen, der Abriss drohte. Die Wende kam 1925, als die Stadt Amsterdam die Mühle kaufte und gründlich restaurieren ließ, samt Flügelwerk. Was eben noch eine überholte Industriemaschine gewesen war, wurde als Denkmal wiedergeboren – ein frühes Beispiel dafür, dass eine niederländische Stadt eine Windmühle bewusst um ihres kulturellen Wertes willen rettete und nicht wegen ihrer Leistung. Heute steht De Gooyer als Rijksmonument unter staatlichem Schutz. Ihr Inneres dient als private Wohnung, Besucher können die Leitern also nicht hinaufsteigen, doch das Äußere wird sorgfältig gepflegt, und die Mühle zählt zu den meistfotografierten Silhouetten der östlichen Stadtteile.

Die Brauerei unter den Flügeln

Wer heute in Amsterdam nach De Gooyer fragt, landet mit einiger Wahrscheinlichkeit beim Bier. Direkt neben der Mühle, in einem ehemaligen städtischen Badehaus an der Funenkade, öffnete 1985 die Brauerei Brouwerij 't IJ ihre Türen – Pionierjahre für die niederländische Craft-Beer-Bewegung. Ihr Gründer, ein Musiker, der zum Brauer wurde, wählte einen Ort, der fotogener kaum sein könnte: Schankraum und Terrasse der Brauerei liegen unmittelbar unter den Mühlenflügeln. Die Verbindung erwies sich als unwiderstehlich. An sonnigen Nachmittagen füllt sich der Kai mit Einheimischen und Reisenden, die am Fuß der höchsten Holzwindmühle des Landes lokal gebrautes Bier trinken. Die Brauerei ist ein eigenständiges Unternehmen und kein Teil der Mühle, doch im Bewusstsein der Stadt sind die beiden längst untrennbar – die alte Ökonomie von Wind und Korn und die neue Ökonomie von Handwerk und Muße teilen sich denselben Kai. Für viele Besucher ist, das muss man zugeben, die Terrasse der eigentliche Anlass, die Mühle überhaupt zu entdecken; die Mühle wiederum schenkt dem Bier eine Kulisse, die kein Werbebudget der Welt kaufen könnte.

De Gooyer im heutigen Stadtbild

Die Mühle steht in einer Ecke Amsterdams, die auf den meisten Grachtengürtel-Routen fehlt, zwischen den alten Ostinseln mit ihrer Schiffbauvergangenheit und den Wohnstraßen der Czaar Peterbuurt. Der Weg dorthin ist unkompliziert: Eine Tramfahrt oder ein entspannter Spaziergang von rund zwanzig Minuten aus dem Zentrum führt zur Funenkade, und die Anreise mit dem Fahrrad am Wasser entlang ist ohnehin die niederländischste aller Optionen. Die Flügel drehen sich heutzutage nur selten, und da das Innere bewohnt ist, gibt es keine Führungen – De Gooyer ist ein Denkmal, das man von außen liest. Am besten gelingt das vom gegenüberliegenden Ufer, wo Sockel, Rumpf und Kappe in voller Höhe ins Bild kommen und die Galerie verrät, wie der Müller einst über den Dächern arbeitete. Wer morgens kommt, erlebt stilles Licht auf der Holzverkleidung; wer spät am Tag kommt, erlebt die summende Terrasse und eine Mühle, die sich in der tiefen Sonne bernsteinfarben färbt. Und wem das Betrachten von außen Appetit auf mehr macht: Die Molen van Sloten am Westrand Amsterdams empfängt Besucher im Inneren eines arbeitenden Galerieholländers – der perfekte Begleitausflug zu diesem hier.

Auf der Karte

De Gooyer ist eine von Hunderten Windmühlen, die auf Windmill World Map dokumentiert sind, von niederländischen Riesen bis zu vergessenen Dorfmühlen in ganz Europa und darüber hinaus. Öffnen Sie die interaktive Karte, zoomen Sie in den Amsterdamer Osten, und Sie finden die höchste Holzwindmühle der Niederlande an ihrem Kai markiert – zusammen mit allen anderen Mühlen der Umgebung. Planen Sie eine Route, vergleichen Sie Mühlentypen oder streifen Sie einfach über die Karte, so wie die Mühle einst durch die Stadt streifte.