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De Valk in Leiden: Rundgang durch die Turmmühle, die zum Museum wurde

Wer mit dem Zug in Leiden ankommt, sieht sie schon nach wenigen Schritten vor dem Bahnhof: einen dunklen Backsteinturm mit hölzerner Kappe und vier langen Flügeln, unmittelbar am Rand der Altstadt. Das ist die Molen de Valk, der Falke, eine steinerne Turmmühle, die 1743 auf einem Bollwerk der frühneuzeitlichen Stadtbefestigung vollendet wurde. Fast zwei Jahrhunderte lang mahlte sie Getreide für die Bäcker der Stadt; seit 1966 beherbergt sie das städtische Mühlenmuseum von Leiden. Sie ist die letzte Überlebende jener hohen Mühlen, die einst rings um die Stadt standen, und einer der ganz wenigen Orte, an denen man eine vollständige niederländische Getreidemühle vom Wohnzimmer des Müllers bis hinauf in die Kappe durchsteigen kann.

Mühlen auf den Bollwerken

Leiden war im Goldenen Zeitalter eine der größten Städte Hollands, reich geworden durch das Tuchgewerbe. Wie jede befestigte Stadt brauchte sie täglich Brot, und Brot brauchte Mehl. Der naheliegende Platz für Windmühlen waren die Bastionen und Wälle der Stadtmauer: Die aufgeschütteten Erdwerke hoben die Flügel über die Dächer in den gleichmäßigeren Wind, und zugleich blieb das staubige, feuergefährliche Gewerbe am Rand der dichten Bebauung. Im Lauf der Jahrhunderte entstand so ein ganzer Kranz von Getreidemühlen auf Leidens Verteidigungsanlagen, die Tag für Tag für Bäckereien und Brauereien arbeiteten. Die Stadt hat außerdem eine berühmte Verbindung zum Müllerhandwerk: Rembrandt van Rijn, 1606 in Leiden geboren, war ein Müllerssohn, sein Vater Mitbesitzer einer Malzmühle am Rhein. Als im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert Dampfmaschinen und später elektrische Walzenmühlen die Mehlproduktion übernahmen, verloren die windgetriebenen Mühlen ihre Existenzgrundlage und wurden eine nach der anderen abgerissen. Allein De Valk behauptete ihren Platz auf dem ehemaligen Bollwerk, und genau das macht sie heute so kostbar.

Vom hölzernen Vorgänger zum steinernen Turm

Der Standort trug schon lange vor dem heutigen Turm Mühlen. Seit dem frühen siebzehnten Jahrhundert standen auf diesem Bollwerk hölzerne Bockwindmühlen, deren gesamter Mühlenkörper auf einem mächtigen Mittelpfosten ruhte und in den Wind gedreht werden konnte. Holzmühlen waren jedoch anfällig für Sturm und Feuer, und ihre Leistung war begrenzt. 1743 ersetzten die Müller den letzten hölzernen Vorgänger durch das Bauwerk, das wir heute sehen: einen hohen Turm aus Backstein, fast dreißig Meter von der Straße bis zur Spitze der Kappe, mit sieben Böden im Inneren der sich verjüngenden Mauern. Der Name De Valk, der Falke, wurde von den früheren Mühlen an dieser Stelle übernommen, ganz in der alten Tradition, Mühlen stolze und einprägsame Vogelnamen zu geben. Der Bau in Stein war eine erhebliche Investition, doch sie zahlte sich in Dauerhaftigkeit aus: Während alle anderen Leidener Mühlen nach und nach verschwanden, überragt das gemauerte Gehäuse des Falken die Stadt nun seit mehr als 280 Jahren, über das Ende des Windzeitalters hinaus bis in die Epoche der Denkmalpflege.

Sieben Böden, eine einzige Maschine

Was von außen wie ein Gebäude wirkt, ist in Wahrheit eine große Maschine. Zu ebener Erde enthält der Turm die Müllerwohnung und Lagerräume mit beeindruckend dicken Wänden. Darüber folgen Speicherböden, auf denen Säcke mit Getreide und Mehl lagerten; ein vom Windwerk angetriebener Sackaufzug zog sie durch Luken nach oben und ließ sie wieder hinab, sodass die Windkraft nicht nur das Mahlen, sondern auch das Heben besorgte. Auf halber Höhe umläuft die Stelling den Turm, die hölzerne Galerie. Von hier aus spannte der Müller das Segeltuch auf die Flügelgitter, bediente die Bremse und drehte die gesamte Kappe samt Flügeln mit einer Winde in den Wind. Noch höher liegen die Mahlböden, wo Paare gewaltiger Mühlsteine in hölzernen Gehäusen ruhen; das Korn rieselt aus Trichtern in das Auge des Läufersteins und tritt am Rand als Schrot und Mehl wieder aus. Ganz oben, in der drehbaren Kappe, trägt die Flügelwelle das Kammrad, das die Kraft des Windes über eine senkrechte Königswelle an alles darunter weitergibt. Wer De Valk besteigt, klettert Boden für Boden durch diese ganze Kraftübertragung hindurch.

Wohnen im Sockel der Mühle

Einer der berührendsten Teile des Museums ist das Erdgeschoss, wo die Wohnräume der Müllerfamilie erhalten und weitgehend so eingerichtet sind, wie sie um das Jahr 1900 aussahen. Es gibt eine gemütliche gute Stube, eine Küche und in die Wände eingelassene Butzenbetten, alles innerhalb des runden Grundrisses des Turms. Das Müllerhandwerk war nie bloß ein Beruf; die Familie lebte buchstäblich in ihrem Arbeitsplatz, mit dem Rumpeln der Steine und dem Knarren der Flügel über dem Kopf als ständiger Begleitmusik des Alltags. Generationen von Müllern zogen in diesen Räumen ihre Kinder groß, während Mehlstaub durch das Gebäude herabschwebte. Wer heute in der Stube steht, zwischen den zeittypischen Möbeln und den kleinen Fenstern in der dicken Backsteinmauer, bekommt einen ungewöhnlich unmittelbaren Eindruck davon, wie eng Arbeit und Familienleben in diesem Gewerbe verflochten waren. Nur wenige Museen zeigen die menschliche Seite der Windkraft so konkret, weil nur wenige Mühlen ihre Wohnung unverändert bewahrt haben.

Rettung, Restaurierung und Museum seit 1966

In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts stellte De Valk das gewerbliche Mahlen ein; gegen die industrielle Mehlproduktion war schlicht nicht anzukommen. Gerettet wurde sie durch eine Mischung aus Bürgerstolz und gutem Timing: Die Stadt nahm die Mühle in ihre Obhut, und nach sorgfältiger Restaurierung öffnete sie 1966 als städtisches Mühlenmuseum von Leiden. Sie ist ein geschütztes Denkmal von nationalem Rang und wurde nie als totes Relikt behandelt. Ehrenamtliche Müller lassen die Flügel an geeigneten Tagen weiterhin drehen, die Steine können noch mahlen, und frisch gemahlenes Mehl wird Besuchern angeboten, wenn die Mühle gearbeitet hat. Die Museumsböden erzählen die Geschichte des niederländischen Mühlenwesens mit Werkzeugen, Modellen, Gemälden und Dokumenten und erklären, wie Mühlen gebaut wurden, wie Müller lebten und warum ausgerechnet die Niederlande zum Mühlenland schlechthin wurden. Von den vielen Tausend Windmühlen, die einst im Land arbeiteten, sind heute noch rund tausend traditionelle Mühlen erhalten, und De Valk gehört zu den meistbesuchten von allen, gerade weil sie nicht in einem abgelegenen Polder steht, sondern mitten in einer lebendigen Universitätsstadt.

Praktisches für den Besuch

Einfacher geht es kaum: Die Mühle steht wenige Gehminuten vom Bahnhof Leiden Centraal entfernt am Rand der Altstadt und eignet sich daher perfekt als erste oder letzte Station eines Stadttags. Man sollte sich auf echte Mühlentreppen einstellen, steil bis an die Grenze zur Leiter, und Schuhe mit gutem Halt tragen. Belohnt wird man auf der Stelling, der Außengalerie auf halber Turmhöhe, wo man neben die Flügel hinaustritt und über Dächer, Kirchtürme und Grachten von Leiden blickt. Danach liegt einem die Altstadt zu Füßen: die Hofjes und Stiftshöfe, das Universitätsviertel, die Pieterskerk und die Hooglandse Kerk sowie eine für eine Stadt dieser Größe bemerkenswerte Dichte an Museen. Vor dem Besuch lohnt ein Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten, denn ein arbeitendes Denkmal schließt gelegentlich für Wartung oder Mahltage. Wer sich auch nur ein wenig dafür interessiert, wie Windkraft tatsächlich funktionierte, lernt in einer Stunde im Falken mehr als aus jedem Buch: Man spürt den Turm zittern, wenn die Flügel laufen, und die abstrakte Mühlengeschichte wird mit einem Mal körperlich erfahrbar.

Auf der Karte

De Valk ist ein großartiger Ausgangspunkt, aber nur eine Markierung in einer viel größeren Landschaft erhaltener Mühlen. Auf unserer interaktiven Karte finden Sie den Falken am Rand der Leidener Altstadt und können von dort die anderen historischen Windmühlen Südhollands und weit darüber hinaus erkunden, von Polder-Entwässerungsmühlen bis zu industriellen Riesen. Zoomen Sie in die Region Ihrer nächsten Reise, verbinden Sie mehrere Mühlen zu einem Tagesausflug und entdecken Sie, wie sich die Geschichte, die in diesem einen Leidener Turm erzählt wird, mit lokalen Varianten durch die ganze Mühlenwelt zieht.