Top 10 Windmühlen in Belgien
Belgien ist ein Mühlenstaat mit ausgeprägtem regionalen Gefälle. Die flämische Nordhälfte des Landes — flach, windig, historisch dicht besiedelt und früh industrialisiert — hat eine der dichtesten Windmühlenlandschaften Europas. Die wallonische Südhälfte ist gebirgiger und hatte kaum Windmühlen. Der belgische Staat fördert die Erhaltung historischer Windmühlen über die Regionalbehörden: Flandern hat ein eigenes Inventar, das rund 170 historische Mühlenstandorte umfasst, von denen etwas über 60 noch in verschiedenem Erhaltungszustand vorhanden sind.
1. Sint-Janshuismolen, Brügge
Die Sint-Janshuismolen ist die einzige von vier erhaltenen Brügger Windmühlen, die noch vollständig funktionsfähig ist und tatsächlich Mehl mahlt. Sie ist eine hölzerne Bockwindmühle, erbaut 1770, und steht auf dem mittelalterlichen Stadtwall östlich des Stadtzentrums. Als im 19. Jahrhundert die Eisenbahnlinie nach Gent gebaut wurde, wurde sie von ihrem ursprünglichen Standort an den Wall versetzt. Von April bis September ist sie täglich geöffnet und mahlt auf Vorführbasis Getreide. Mit dem mittelalterlichen Stadtpanorama im Hintergrund ist sie eine der meistfotografierten Mühlen Belgiens. Sie steht unter flämischem Denkmalschutz als beschermd monument.
2. Schellemolen, Damme
Damme, eine kleine Kanalstadt nordöstlich von Brügge, ist bekannt durch seinen Windmühlenweg. Die Schellemolen, eine Bockwindmühle, erbaut 1867, ist die bekannteste von Dammes Mühlen und steht an einem Kanal, der einst Brügge mit Sluis verband. Sie wurde 2002 vollständig restauriert und ist in den Sommermonaten zugänglich. Damme selbst hat drei weitere erhaltene Windmühlen in kurzer Entfernung, was einen Mühlenspaziergang entlang des Damse Vaart ermöglicht.
3. De Hoop, Tervuren (Brabant)
Die Windmühle De Hoop in Tervuren, einer Gemeinde im Stadtrand von Brüssel, ist eine der wenigen erhaltenen Mühlen im Brabanter Raum. Sie ist eine Galerieholländermühle aus dem 18. Jahrhundert und wurde von der Gemeinde Tervuren restauriert. Heute ist sie Teil des kulturellen Erbes des Pajottenland und dient als Besucherziel im Grüngürtel südöstlich von Brüssel. Öffnungszeiten sind begrenzt; Führungen werden durch eine lokale Mühlenvereinigung organisiert.
4. Molen van Mijl, Mol (Kempen)
Die Mühle in der Kempener Gemeinde Mol, erbaut im frühen 19. Jahrhundert, ist eine typische Bockwindmühle der Kempener Heidelandschaft. Sie steht im Ortsteil Millegem und ist ein gut erhaltenes Beispiel für den Mühlentyp, der in der sandigen Ebene zwischen Antwerpen und der niederländischen Grenze verbreitet war. Die Gemeinde Mol hat sie 2010 restauriert und hält sie für gelegentliche Besichtigungen offen.
5. Heimolen, Hove (Antwerpen)
Die Heimolen in Hove, südlich von Antwerpen, ist eine der wenigen noch vollständig erhaltenen Getreidemühlen der Antwerpener Region. Sie ist eine Turmwindmühle aus Backstein, datiert aus dem späten 18. Jahrhundert, und wurde 1993 unter Denkmalschutz gestellt. Die lokale Mühlenvereinigung betreibt sie an ausgewählten Sonntagen.
6. Kasteelmolen, Hingene (Waasland)
Die Kasteelmolen nahe dem Schloss d'Ursel in Hingene an der Schelde ist ein eleganter Galerieholländer aus dem Jahr 1840. Sie wurde als Mühle des Schlossguts gebaut und steht auf einem leichten Hügel mit Blick auf die Scheldeauen. Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf wurde sie 2008 restauriert und ist im Sommer für Besucher geöffnet. Der Schlosskomplex von Hingene selbst ist ebenfalls sehenswert.
7. Molen van Massemen, Wetteren (Ostflandern)
Diese Bockwindmühle nahe der Kleinstadt Wetteren in der Gemeinde Oosterzele stammt aus dem Jahr 1783 und ist eine der ältesten erhaltenen Mühlen Ostflanderns. Sie wurde nach einem Sturm im Jahr 1996 stark beschädigt, aber in den frühen 2000er Jahren vollständig restauriert. Heute ist sie von der lokalen Mühlenvereinigung betrieben und an bestimmten Wochenenden zugänglich.
8. Drie Koningenmolen, Eke (Ostflandern)
Die Drei-Könige-Mühle (Drie Koningenmolen) in Eke nahe Nazareth ist eine restaurierte Holländermühle, die an einem kleinen Hügel in der ostflämischen Ebene steht. Sie datiert aus dem frühen 19. Jahrhundert und gehört zu den wenigen Mühlen dieser Region mit erhaltenem vollständigem Antriebsstrang. Die Gemeinde Nazareth unterstützt ihre Erhaltung.
9. De Koornbloem, Wingene (Westflandern)
Diese Getreidemühle im westflämischen Wingene ist eine typische Bockwindmühle mit einem hoch auf einem künstlichen Hügel platzierten Kasten. Sie stammt aus dem Jahr 1857 und diente dem lokalen Bauernmarkt bis in die 1920er Jahre. Eine Restaurierung in den 1980er Jahren hat sie in gutem Zustand erhalten. Die Lage auf dem Hügelkamm bietet gute Fotografiemöglichkeiten.
10. Molen te Watervliet, Beveren (Waasland)
Die Windmühle in Watervliet, heute Teil der Gemeinde Beveren im Waasland westlich von Antwerpen, ist ein Galerieholländer aus dem frühen 19. Jahrhundert an der ehemaligen Grenze zwischen Ostflandern und dem Zeeuws-Vlaamse Grenzgebiet. Sie stand lange Zeit im Niedergang, wurde aber von der Gemeinde Beveren übernommen und ist seit 2015 restauriert.
Flämische Mühlentradition
Flandern gehört zu den historisch dichtesten Mühlenregionen Europas. Im 18. Jahrhundert soll es allein in der Grafschaft Flandern über 1.000 Windmühlen gegeben haben. Der flämische Mühlenbestand ist heute durch intensive Urbanisierung und Industrialisierung stark dezimiert, aber die verbliebenen Mühlen werden von engagierten Vereinigungen wie der VVMM (Vlaamse Vereniging voor Industrieel en Wetenschappelijk Erfgoed) systematisch gepflegt.
Alle auf einen Blick
Belgische Windmühlen lassen sich am besten per Fahrrad in der flämischen Ebene erkunden. Die interaktive Karte zeigt alle eingetragenen belgischen Standorte.