Top 10 Windmühlen in Italien
Italien hat kein klassisches Windmühlenland. Die gebirgige Topographie des Apennins und der meisten Regionen machte Wassermühlen an Bergbächen zur bevorzugten Mahlmethode; Windmühlen entstanden vorwiegend in küstennahen Ebenen mit konstantem Wind. Sizilien ist die bedeutendste Windmühlenregion des Landes, mit einer langen arabisch-normannischen Tradition der Windnutzung. Darüber hinaus gibt es verstreute Mühlenstandorte in der Lombardei, der Toskana, am Gardasee und in den Abruzzen. Der italianische Begriff für Windmühle ist mulino a vento, für traditionelle Mühlen generell mulino storico.
1. Saline Trapani e Paceco (Sizilien)
Die Saline (Salinen) zwischen Trapani und Marsala auf der Westspitze Siziliens sind das beeindruckendste Windmühlenensemble Italiens. Die historischen Windmühlen der Salinen — teilweise noch mit arabischen Bautraditionen aus dem 10. Jahrhundert verbunden — pumpten Meerwasser durch die flachen Salzbecken und mahlten das Salz nach der Ernte. Mehrere Mühlen sind als Naturschutzgebiet erhalten (Riserva Naturale Saline di Trapani e Paceco), und eine ist als aktives Mühlenmuseum mit Schaumahlbetrieb eingerichtet. Der Anblick der rosafarbenen Salzbecken und weißen Türme bei Sonnenuntergang ist eines der ikonischen Bilder Siziliens. Die Saline stehen unter UNESCO-Tentativliste.
2. Mulino di Mozia, Isola di Mozia (Sizilien)
Auf der kleinen Insel Mozia (San Pantaleo) in der Lagune vor Marsala steht eine restaurierte Windmühle nahe der antiken phönizischen Stadtruine. Die Mühle ist jünger als die antiken Ruinen — sie datiert aus dem 18. Jahrhundert — aber der Standort auf einer Insel inmitten der Salinen ist von außerordentlichem historischem Reiz. Die Insel ist nur per Boot zugänglich.
3. Saline di Marsala, Marsala (Sizilien)
Die Saline von Marsala, südlich der Stadt gelegen, haben ebenfalls mehrere historische Windmühlen, von denen die bekannteste in einem Salinenmuseum eingebettet ist. Die Verbindung von Salz- und Weinproduktion (Marsala ist bekannt für seinen gleichnamigen Wein) und Mühlentradition macht diese Region einzigartig in Sizilien.
4. Windmühlen von Stintino, Sardinien
Stintino an der Nordwestküste Sardiniens, bekannt für den weißen Sandstrand La Pelosa, hat auf dem Hügel über dem Fischerdorf eine Gruppe von vier historischen Windmühlenruinen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Mühlen mahlten Getreide für die sardische Küstengemeinde; heute sind sie als Freiluft-Denkmäler zugänglich. Stintino liegt nahe dem Nationalpark Asinara.
5. Mulino di Lentate, Lentate sul Seveso (Lombardei)
In der Gemeinde Lentate sul Seveso, nördlich von Mailand, steht ein gut erhaltener runder Turmstumpf einer historischen Windmühle aus dem 18. Jahrhundert. Die lombardische Ebene hatte historisch mehr Windmühlen als oft angenommen, da die Padana-Ebene im Winter und Frühjahr starken Nordwind aus den Alpen erhält. Die Mühle von Lentate ist ein seltener erhaltener Beleg dieser wenig bekannten lombardischen Tradition.
6. Mulini del Falassi, Massa Marittima (Toskana)
Im Bereich der Metalliferen Hügel (Colline Metallifere) in der südlichen Toskana, nahe Massa Marittima, stehen mehrere historische Windmühlenruinen auf den Hügelkuppen. Diese Region war im Mittelalter ein wichtiges Bergbauzentrum (Kupfer, Silber, Eisen), und Windmühlen versorgten die Bergarbeitersiedlungen mit Mehl. Die Ruinen sind Teil eines patrimonio industriale, das von der Gemeinde dokumentiert wird.
7. Mulino di Salò, Gardasee (Lombardei)
Am Westufer des Gardasees, nahe Salò, der historischen Hauptstadt der kurzlebigen Republik von Salò (1943-1945), steht ein runder Turm, der als Windmühle aus dem 17. Jahrhundert identifiziert wird. Er ist heute in ein Wohngebäude integriert, aber das Mauerwerk und die Turmform sind klar erkennbar. Der Gardasee-Kontext macht ihn zu einem unerwarteten Mühlenfund.
8. Mulino di Cinquemiglia, Abruzzen
Im Hochtal nahe Castel di Sangro in den Abruzzen, auf rund 800 Meter Höhe, steht eine der seltensten Windmühlen Italiens: ein runder Stein-Turmtyp aus dem 17. Jahrhundert, der für die Hochgebirgsgemeinschaft des Apennins Getreide mahlte. Windmühlen im Apennin sind außerordentlich selten, da die meisten Täler von Flüssen für Wassermühlen genutzt wurden; das offene Hochtal von Cinquemiglia hatte jedoch genug Wind für eine Windmühle.
9. Mulino della Signoressa, Treviso (Venetien)
Nahe Treviso in der venetischen Ebene steht diese sorgfältig restaurierte Windmühle, die heute als privates Veranstaltungsgebäude genutzt wird. Sie wurde im 18. Jahrhundert gebaut und ist einer der seltenen erhaltenen Windmühlenstandorte Nordostitaliens. Das Venetien hatte historisch mehr Windmühlen als die Lombardei, bedingt durch den constantem Bora-Wind aus dem Nordosten.
10. Mulino di Villanova, Istria (ehemals venezianisch)
Obwohl der Ort heute zu Kroatien gehört, war die Region Istrien historisch venezianisch und wird in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte Italiens mitgezählt. Die Windmühlen von Villanova und anderen istrianischen Orten sind venezianische Steinmühlen des 16. bis 18. Jahrhunderts und technologisch identisch mit den Mühlen auf den griechischen Kykladeninseln — ein Beleg für die Reichweite venezianischer Mühlentechnologie.
Siziliens historische Mühlenroute
Der Parco Archaeologico e Paesaggistico della Valle dei Templi in Agrigent hat in jüngster Zeit begonnen, die Windmühlenstandorte der sizilianischen Westküste als touristische Kulturroute zu erschließen. Die Verbindung der Phönizier, Griechen, Römer, Araber, Normannen und Spanier, die alle ihre eigene Mühlentechnologie mitbrachten, macht Sizilien zur komplexesten Mühlenlandschaft des Mittelmeers.
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Alle hier genannten Standorte sind auf der interaktiven Karte verzeichnet. Sizilien bietet die dichteste Konzentration; die Route Trapani-Marsala ist in einem Tag per Mietwagen oder Fahrrad gut zu bewältigen.