Top 10 Windmühlen in den Niederlanden
Die Niederlande sind das Windmühlenland der Welt. Kein anderes Land hat die Windmühle so konsequent für so viele Zwecke eingesetzt, hat so viele Mühlen gebaut und so viele erhalten. Im 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter, standen allein in der Provinz Holland über 1.000 Windmühlen gleichzeitig in Betrieb. Heute gibt es in den Niederlanden noch rund 1.000 erhaltene historische Windmühlen, von denen etwa 350 unter Denkmalschutz stehen und mehr als 200 regelmäßig in Betrieb sind. Die zehn wichtigsten reichen von der UNESCO-Gruppe in Kinderdijk bis zu Stadtmühlen mitten in Amsterdam.
1. Kinderdijk, Südholland (UNESCO)
Die 19 Windmühlen des Kinderdijk-Ensembles im Alblasserwaard-Polder sind das UNESCO-Welterbe der Windmühlenwelt. Gebaut zwischen 1738 und 1740, entwässerten sie gemeinsam den flachen Polder; heute demonstrieren sie wie kein anderer Ort die ingeniöse Kombination aus Polderhydrologie und Windkraft. Zwei der Mühlen sind bewohnt und ganzjährig geöffnet; alle 19 werden im Sommer an ausgewählten Samstagen gleichzeitig in Betrieb genommen. Das Besucherzentrum Kinderdijk bietet Einblicke in die Geschichte der Poldertrockenlegung. Die Mühlen sind per Fahrrad, Boot oder zu Fuß erreichbar; Besuch bei Sonnenuntergang auf einem der Kanäle ist ein unvergessliches Bild.
2. Zaanse Schans, Zaandam (Nordholland)
Zaanse Schans ist das vollständigste erhaltene Windmühlenensemble der Niederlande im Betrieb: acht funktionierende historische Mühlen, ergänzt durch historische Häuser, eine Käserei, eine Holzschuhfabrik und das Zaans Museum. Die Mühlen wurden aus umliegenden Gemeinden hierher transloziert, als ihre Standorte industriell überbaut wurden. De Kat ist die einzige noch funktionierende Farbpigmentmühle der Welt; De Huisman mahlt Gewürze; De Gekroonde Poelenburg und De Zoeker sind Sägmühlen. Das Areal ist ganzjährig zugänglich; in den Sommermonaten sind alle Mühlen täglich in Betrieb.
3. Schiedam (Südholland)
Schiedams fünf erhaltene Mühlen sind die höchsten klassischen Windmühlen der Welt, gebaut im 18. und frühen 19. Jahrhundert für die Genever-Brennereiindustrie. De Nieuwe Palmboom (33,3 m), De Noord, De Vrijheid, De Walvisch und De Drie Koornbloemen ragen über die dichten Stadtquartiere auf. Alle fünf sind unter Denkmalschutz und werden von der Stichting Molens Schiedam betrieben; an Samstagen sind mehrere geöffnet. Das Schiedams Mühlenmuseum bietet Kontext zur Geneverproduktion und Mühlengeschichte.
4. De Adriaan, Haarlem (Nordholland)
De Adriaan am Hafen von Haarlem, erbaut 1779, ist eine der bekanntesten niederländischen Stadtmühlen. Sie brannte 1932 ab und wurde 2002 vollständig nach historischen Plänen rekonstruiert. Sie ist täglich für Besucher geöffnet, hat eine ausgezeichnete Ausstellung und bietet freie Sicht über die Haarlemer Innenstadt. Die Mühle wird regelmäßig für Getreidemahlen und als Hochzeitsstandort genutzt.
5. De Gooyer, Amsterdam (Nordholland)
De Gooyer in Amsterdam-Oost ist die höchste Windmühle Amsterdams und direkt neben der berühmten Bierbrauerei Brouwerij 't IJ gebaut. Sie stammt ursprünglich aus dem frühen 18. Jahrhundert und wurde mehrfach versetzt. Heute ist sie äußerlich vollständig erhalten und kann von außen besichtigt werden; das Innere ist nur an ausgewählten Tagen geöffnet. Die Kombination aus Windmühle und Brauerei macht sie zum meistbesuchten Mühlenstandort Amsterdams.
6. De Otter, Amsterdam (Nordholland)
De Otter in Amsterdam-West ist eine Sägemühle aus dem 17. Jahrhundert, die bis heute in Betrieb ist und Holz für Restaurierungsprojekte sägt. Sie ist eine der wenigen noch produzierenden Sägemühlen der Niederlande. Führungen sind an Samstagen möglich und zeigen den vollständigen Mahlbetrieb mit rotierenden Sägeblättern — ein beeindruckendes und lautes Erlebnis.
7. De Roos, Delft (Südholland)
Die Windmühle De Roos in Delft, eine Turmwindmühle aus dem 18. Jahrhundert, steht am Stadtrand und ist in Betrieb. Sie mahlt regelmäßig Getreide; das Mehl wird lokal verkauft. Delft, bekannt durch das Blaue Delfter Porzellan, ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Mühlenroute durch Südholland.
8. Molen de Valk, Leiden (Südholland)
De Valk in Leiden ist eine siebengeschossige Turmwindmühle aus dem Jahr 1743 und heute ein vollständig eingerichtetes Mühlenmuseum. Sie ist täglich geöffnet und hat eine der besten permanenten Ausstellungen zur niederländischen Mühlengeschichte. Das Innere mit sieben Etagen und vollständiger Maschinerie ist begehbar und zeigt alle Aspekte des Mühlenbetriebs.
9. Molen van Sloten, Amsterdam (Nordholland)
Die Mühle von Sloten im Amsterdamer Stadtwald (Amsterdamse Bos) ist eine kleine Entwässerungsmühle, die noch aktiv den nahegelegenen Polder drainiert. Sie ist täglich geöffnet, sehr zugänglich für Familien und bietet kurze Führungen auf Niederländisch und Englisch. Da sie tatsächlich noch entwässert, ist sie ein lebendiges Beispiel der ursprünglichen Poldertechnologie.
10. Tjasker-Mühlen, Friesland
In den Feuchtgebieten und Mooren Frieslands sind noch mehrere Tjaskers erhalten — einfache Windpumpen ohne Turm, bei denen ein kleines Windrad direkt eine Archimedische Schraube antreibt. Sie sind kleiner und weniger bekannt als die großen Touristenmühlen, aber für Mühlenfachleute sind sie die authentischsten Relikte der friesischen Entwässerungskultur. Die Vereinigung De Fryske Mole pflegt mehrere erhaltene Exemplare.
Niederländischer Mühlenbesuch: Praktisches
Alle hier genannten Mühlen sind an nationalen Molendagen-Wochenenden (Mai) gleichzeitig in Betrieb und zugänglich. Für Kinderdijk empfiehlt sich frühmorgendliche oder spätnachmittägliche Anreise, um die Touristenmassen des Mittags zu vermeiden. Zaanse Schans ist per S-Bahn von Amsterdam in 20 Minuten erreichbar. Schiedam liegt direkt an der S-Bahnlinie Rotterdam-Den Haag.
Alle auf einen Blick
Alle zehn Standorte sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Die niederländische Mühlenroute ist in drei Tagen per Bahn und Fahrrad vollständig abzufahren.